{"id":226,"date":"2012-07-05T13:27:53","date_gmt":"2012-07-05T13:27:53","guid":{"rendered":"https:\/\/hermannlei.ch\/?p=226"},"modified":"2012-07-05T13:27:53","modified_gmt":"2012-07-05T13:27:53","slug":"5-7-2012-der-heilige-hildebrand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hermannlei.ch\/?p=226","title":{"rendered":"5.7.2012 Der heilige Hildebrand"},"content":{"rendered":"<div style=\"padding-bottom:20px; padding-top:10px;\" class=\"hupso-share-buttons\"><!-- Hupso Share Buttons - https:\/\/www.hupso.com\/share\/ --><a class=\"hupso_toolbar\" href=\"https:\/\/www.hupso.com\/share\/\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/static.hupso.com\/share\/buttons\/lang\/de\/share-small.png\" style=\"border:0px; padding-top: 5px; float:left;\" alt=\"Share Button\"\/><\/a><script type=\"text\/javascript\">var hupso_services_t=new Array(\"Twitter\",\"Facebook\",\"Google Plus\",\"Pinterest\",\"Linkedin\",\"Digg\",\"Bebo\",\"Delicious\",\"Print\");var hupso_background_t=\"#EAF4FF\";var hupso_border_t=\"#66CCFF\";var hupso_toolbar_size_t=\"small\";var hupso_image_folder_url = \"\";var hupso_url_t=\"\";var hupso_title_t=\"5.7.2012%20Der%20heilige%20Hildebrand\";<\/script><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/static.hupso.com\/share\/js\/share_toolbar.js\"><\/script><!-- Hupso Share Buttons --><\/div><p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein Dokumentarfilm des Schweizer Fernsehens fasst zusammen, was bisher von den Medien unterdr\u00fcckt wurde: Philipp Hildebrand hat der Nationalbank einen Scherbenhaufen hinterlassen, hat spekuliert und gelogen und musste vom Bankrat zum R\u00fccktritt gezwungen werden. Viele Fragen sind aber immer noch offen und werden mit Hilfe einer Stillschweigeklausel, welche Hildebrand seinen Arbeitgebern abtrotzte, unter dem Teppich gehalten. Die Schweizerzeit fasst Aussagen aus dem Film zusammen.<\/strong><\/p>\n<p>Im Januar 2010 wird Philip Hildebrand Pr\u00e4sident der Nationalbank der Schweiz. Seine Amtszeit beginnt laut Experten mit einem S\u00fcndenfall: Hildebrand k\u00fcndigt an, die expansive Geldpolitik nicht mehr weiter zu f\u00fchren. Der Eurokurs f\u00e4llt sofort unter 1.50 und sollte sich nie wieder erholen. Hildebrand muss massiv Euro kaufen, der Devisenbestand schnellt in die H\u00f6he &#8211; aber der Erfolg bleibt aus. Hildebrand habe zu fr\u00fch und panikartig reagiert, einen Zick-Zack-Kurs gef\u00fchrt, sagen die Experten.<\/p>\n<p><strong>Spekulant Hildebrand<\/strong><\/p>\n<p>15.8.2011: Hildebrand verabredet sich mit seinem privaten Kundenberater Felix S. Er gibt ihm den Auftrag, Nestle und Roche-Aktien f\u00fcr rund 50\u2018000 Fr. zu kaufen. Das Urteil der Experten ist einhellig: Prof. Peter Bernholz, die Autorit\u00e4t in Sachen Notenbanken<em>,<\/em> sagt: \u201eDas ist nicht zu verantworten.\u201c Drei Wochen sp\u00e4ter wird der Kurs steigen, eine Folge seines Mindestkursentscheides. Hildebrand kann es nicht lassen, will nun auch Dollar kaufen. Seine Frau gibt daraufhin den Auftrag, f\u00fcr 400\u2018000.- Fr. Dollar zu beschaffen. Am n\u00e4chsten Tag findet Hildebrand auf seinem Computer die Best\u00e4tigung zum Dollarkauf. Sein Bankberater schreibt, die Transaktion m\u00fcsse aber von Hildebrand offiziell best\u00e4tigt werden. Hildebrand bekommt kalte F\u00fcsse: Um 07.36 Uhr mailt er seinem Kundenberater, er habe ihn daf\u00fcr nicht autorisiert. Er werde die Transaktionen dem Controlling-Chef des SNB, Hans Kuhn, vorlegen m\u00fcssen. Der Kundenberater widerspricht um 08.00 Uhr: Er, Hildebrand, habe den Kauf am Vortag gutgeheissen. Dieses Mail, das ihn zum R\u00fccktritt zwingen wird, leitet Hildebrand nicht an Hans Kuhn weiter. Sp\u00e4ter wird er erkl\u00e4ren, er habe das Mail vergessen&#8230;. Kuhn, der Controlling-Chef der SNB, schreibt Hildebrand zur\u00fcck: \u201eKeine Wiederholung!\u201c Wenige Wochen sp\u00e4ter handelt Hildebrand jedoch erneut mit Dollar, diesmal informiert er Kuhn nicht mehr\u2026<\/p>\n<p><strong>Es sickert durch<\/strong><\/p>\n<p>Die Spekulationen Hildebrands sind bei seiner Bank Sarasin Kaffeegespr\u00e4ch<em>.<\/em> Kontoausz\u00fcge gelangen zu Christoph Blocher. Dieser trifft Calmy-Rey dreimal. Calmy Rey fragt nach konkreten Beweisen. Blocher zeigt Kopien der Bankausz\u00fcge. Am 15.12. wird eine Untersuchung wird eingeleitet. Eine Woche sp\u00e4ter, am 23.12., liegt ein Untersuchungsbericht \u00fcber die Spekulationen vor. Und am Abend informiert die Nationalbank mit einer r\u00e4tselhaften Pressemitteilung: Es seien keine unzul\u00e4ssigen Transaktionen vorgenommen worden, entsprechende Ger\u00fcchte seien haltlos. Verantwortlich f\u00fcr den verwirrlichen Text ist Hansueli Raggenbass, Bankratspr\u00e4sident. Der Mit dem Text der Pressemitteilung habe man Blocher die Gelegenheit zum \u201egeordneten R\u00fcckzug\u201c geben wollen, so die merkw\u00fcrdige Erkl\u00e4rung sp\u00e4ter. Irgendjemand informiert nun die Sonntagszeitung \u00fcber Blocher. Damit soll versucht werden, von Hildebrand abzulenken. Daraufhin wird die Weltwoche informiert. Am 4.1.2012 bringt die Weltwoche ihre ber\u00fchmte Titelgeschichte. Es wird klar, dass die Hildebrands mit den Transaktionen, deren Wert sie selber bestimmen konnten, innert sechs Wochen einen Gewinn von 75\u2018000.- Fr. gemacht hatten.<\/p>\n<p><strong>Hildebrand geht in die Offensive<\/strong><\/p>\n<p>Hildebrand geht nun in die Offensive, k\u00fcndigt eine Pressekonferenz an und ver\u00f6ffentlicht den Pr\u00fcfbericht der PWC. Detailliert kann man hier nachlesen, weshalb Hildebrand von den Transaktionen nichts gewusst haben soll. Das belastende Mail hingegen wird nach wie vor nicht ver\u00f6ffentlicht. Der Kundenberater Felix S. telefoniert Hildebrand am sp\u00e4ten Abend. Er weist ihn auf seine E-Mail-Antwort von 08.00 Uhr hin. Hildebrand erwidert, er k\u00f6nne sich nicht daran erinnern. Am n\u00e4chsten Morgen wird das Mail ausgedruckt auf Hildebrands Pult liegen. Am Donnerstag, 5.1.2012, 16.00 Uhr folgt die Pressekonferenz auf die die Schweiz wartet. Etwa eine halbe Stunde vor der Medienkonferenz wurde Raggenbass informiert, dass offenbar ein neues E-Mail aufgetaucht sei, das Hildebrand belaste. Hildebrand weiss, dass sich seine Position, er habe vom E-Mail nichts gewusst, nicht mehr wird halten lassen. Trotzdem erw\u00e4hnt er das Mail in der Pressekonferenz nicht. Hildebrand schiebt dagegen die Schuld auf seine Frau. Doch am n\u00e4chsten Tag ca. 12.00 Uhr ist klar, Hildebrand hat das E-Mail erhalten. Computerspezialisten der Nationalbank haben das E-Mail in der Mailbox Hildebrands gefunden.<\/p>\n<p><strong>Glaubw\u00fcrdigkeit Hildebrands zerst\u00f6rt<\/strong><\/p>\n<p>Daraufhin folgt eine Krisensitzung des Bankrats. Die Bankr\u00e4te sind wie vor den Kopf gestossen. Im Dezember haben sie Hildebrand geglaubt, als er sagte, er habe nichts vom Dollarkauf gewusst. Jetzt erfahren sie, dass es vor dem Kauf sogar ein ausf\u00fchrliches Gespr\u00e4ch mit Hildebrands Kundenberater gab. Sie sehen nur noch einen Ausweg: R\u00fccktritt. Raggenbass trifft sich nach der Sitzung mit Bundesr\u00e4tin Eveline Widmer-Schlumpf. Er informiert sie \u00fcber die neuen Dokumente, denn sie hat in K\u00fcrze einen Auftritt in der Arena. Dennoch stellt sich Widmer-Schlumpf in der Arena hinter Hildebrand. Die neu aufgetauchten Dokumente erw\u00e4hnt sie nicht.<\/p>\n<p><strong>Widmer-Schlumpf st\u00fctzt Hildebrand wieder <\/strong><\/p>\n<p>Niemand ahnt, dass an diesem Abend eine weitere Krisensitzung des Bankrates stattfindet. Raggenbass und Vize Studer und orientieren \u00fcber das Ergebnis vom Vortag. Sie schlagen den R\u00fccktritt vor, zeigen das E-Mail und einen Kundenrapport \u00fcber das Gespr\u00e4ch zwischen dem Bankberater und Hildebrand. Hildebrand k\u00e4mpft um seinen Posten, verweist auf seine internationalen Kontakte, vergeblich. Hildebrand muss einsehen, dass er zur\u00fccktreten muss. Es wird diskutiert, ob das E-Mail und der Kundenrapport \u00f6ffentlich gemacht werden soll. Hildebrand wehrt sich. Der Bankrat setzt sich aber durch. Am Abend rufen Raggenbass und Hildebrand gemeinsam die Bundespr\u00e4sidentin an. Sie teilen ihr den R\u00fccktrittsentscheid mit. Man einigt sich, montags die \u00d6ffentlichkeit zu informieren. Am Sonntagmorgen ist alles anders. Hildebrand hat seine Zusage zur\u00fcckgezogen. Dies nach einer Telefonkonferenz des Bundesrates, initiiert von Widmer-Schlumpf, in dem Hildebrand der R\u00fccken gest\u00e4rkt wird. Am Sonntagabend findet nochmals eine Krisensitzung des Bankrats mit Hildebrand statt. Was an dieser Krisensitzung am Abend passiert, dar\u00fcber will niemand sprechen. Zum Schutz von Philip Hildebrand, betont ein Teilnehmer dieser Sitzung. Hildebrand und sein Anwalt bleiben hart, das Ganze sei eine politische Kampagne der SVP. Ein R\u00fccktritt sei ausgeschlossen.<\/p>\n<p><strong>Der Bankrat droht mit Kollektivr\u00fccktritt<\/strong><\/p>\n<p>Am Montagmorgen um 08.15 Uhr spricht Raggenbass, begleitet von Vize Jordan bei der Bundespr\u00e4sidentin vor. Raggenbass teilt der Bundespr\u00e4sidentin mit, entweder gehe Hildebrand &#8211; oder der elfk\u00f6pfige Bankrat trete geschlossen zur\u00fcck. Jetzt gibt Hildebrand nach. Am 9. Januar 2012 tritt Hildebrand zur\u00fcck. Hildebrands Anwalt verlangt vom Bankrat, keine Details \u00fcber die Hintergr\u00fcnde bekannt zu geben. Der Bankrat unterzeichnet eine Stillschweigeklausel. Philip Hildebrand stellt danach seinen R\u00fccktritt als freiwilligen, selbst getroffenen Entscheid dar.<\/p>\n<p>\u201ePhilip Hildebrand, gestolpert \u00fcber sich selbst, zum R\u00fccktritt gezwungen durch den Bankrat.\u201c \u00a0Das ist das Fazit des Films. Dem bleibt nur hinzuzuf\u00fcgen: Was hat Hildebrand noch zu verbergen, dass zu seinem Schutz eine Stillschweigeklausel abgeschlossen werden musste? Wieso diese Geheimniskr\u00e4merei? Ist es in einem so gravierenden Fall nicht unumg\u00e4nglich, dass zum Schutz der Institutionen endlich transparent gemacht wird, was sonst noch geschah?<\/p>\n<p>Hermann Lei, Frauenfeld<\/p>\n<p><em>Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann: \u201eIch finde das sehr gravierend (\u2026). Das ist kein Kavaliersdelikt, das ist eine der gr\u00f6bsten Verletzungen, welcher ein Notenbankpr\u00e4sident machen kann.\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"padding-bottom:20px; padding-top:10px;\" class=\"hupso-share-buttons\"><!-- Hupso Share Buttons - https:\/\/www.hupso.com\/share\/ --><a class=\"hupso_toolbar\" href=\"https:\/\/www.hupso.com\/share\/\"><img src=\"https:\/\/static.hupso.com\/share\/buttons\/lang\/de\/share-small.png\" style=\"border:0px; padding-top: 5px; float:left;\" alt=\"Share Button\"\/><\/a><script type=\"text\/javascript\">var hupso_services_t=new Array(\"Twitter\",\"Facebook\",\"Google Plus\",\"Pinterest\",\"Linkedin\",\"Digg\",\"Bebo\",\"Delicious\",\"Print\");var hupso_background_t=\"#EAF4FF\";var hupso_border_t=\"#66CCFF\";var hupso_toolbar_size_t=\"small\";var hupso_image_folder_url = \"\";var hupso_url_t=\"\";var hupso_title_t=\"5.7.2012%20Der%20heilige%20Hildebrand\";<\/script><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/static.hupso.com\/share\/js\/share_toolbar.js\"><\/script><!-- Hupso Share Buttons --><\/div><p>Ein Dokumentarfilm des Schweizer Fernsehens fasst zusammen, was bisher von den Medien unterdr\u00fcckt wurde: Philipp Hildebrand hat der Nationalbank einen Scherbenhaufen hinterlassen, hat spekuliert und gelogen und musste vom Bankrat zum R\u00fccktritt gezwungen werden. 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