{"id":235,"date":"2012-09-13T07:53:12","date_gmt":"2012-09-13T07:53:12","guid":{"rendered":"https:\/\/hermannlei.ch\/?p=235"},"modified":"2012-09-20T09:56:47","modified_gmt":"2012-09-20T09:56:47","slug":"235","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hermannlei.ch\/?p=235","title":{"rendered":"14.9.12 Der vergessene Krieg"},"content":{"rendered":"<div style=\"padding-bottom:20px; padding-top:10px;\" class=\"hupso-share-buttons\"><!-- Hupso Share Buttons - https:\/\/www.hupso.com\/share\/ --><a class=\"hupso_toolbar\" href=\"https:\/\/www.hupso.com\/share\/\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/static.hupso.com\/share\/buttons\/lang\/de\/share-small.png\" style=\"border:0px; padding-top: 5px; float:left;\" alt=\"Share Button\"\/><\/a><script type=\"text\/javascript\">var hupso_services_t=new Array(\"Twitter\",\"Facebook\",\"Google Plus\",\"Pinterest\",\"Linkedin\",\"Digg\",\"Bebo\",\"Delicious\",\"Print\");var hupso_background_t=\"#EAF4FF\";var hupso_border_t=\"#66CCFF\";var hupso_toolbar_size_t=\"small\";var hupso_image_folder_url = \"\";var hupso_url_t=\"\";var hupso_title_t=\"14.9.12%20Der%20vergessene%20Krieg\";<\/script><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/static.hupso.com\/share\/js\/share_toolbar.js\"><\/script><!-- Hupso Share Buttons --><\/div><p><span style=\"text-decoration: underline;\">Heldenhafte Schweizer Armee \u2013 was linke Reisef\u00fchrer verschweigen<\/span><\/p>\n<p><strong>In den Sommerferien erkundete ich mit meiner Familie wieder einmal das Tessin. Spannend ist eine Tour zu den \u201eBagni di Craveggia\u201c, zuhinterst im <\/strong><a href=\"https:\/\/www.ticinarte.ch\/index.php\/onsernone-valle.html\"><strong>Valle Onsernone<\/strong><\/a><strong>. Die Strasse dorthin endet in Spruga, neben einer kleinen Osteria. Ein bequemer Weg erlaubt ein gem\u00e4chliches Wandern hinab ins Tal. Nach einer guten halben Stunde endet das Str\u00e4sschen und\u00a0 man erreicht den Fluss. Hier entspringt am gegen\u00fcberliegenden italienischen Ufer eine heisse Quelle und pl\u00e4tschert durch die Ruinen eines ehemaligen Kurbades. Der Ort ist geschichtstr\u00e4chtig \u2013 hier kam es beinahe zum Krieg zwischen der Schweizer Armee und dem faschistischen Italien.<\/strong><\/p>\n<p><strong>B\u00e4derfahrten<\/strong><\/p>\n<p>1881 wurde hier ein Hotel gebaut, das letztmals 1986 von Lawinen bis auf die heute sichtbaren Reste zerst\u00f6rt worden ist. Die verbliebenen Badruinen sind gesichert, sodass man sich gefahrlos in den weissen Wannen aus dem 19. Jahrhundert fotografieren kann. Die Quelltemperatur betr\u00e4gt um die 28 Grad, das warme Wasser fliesst in eine riesige Granitzisterne, welche einen dunklen Raum fast ausf\u00fcllt. Hier kann man im warmen, sauberen Wasser ein Bad nehmen. Den Tipp f\u00fcr die sch\u00f6ne Tour entnahm ich dem Buch \u201eB\u00e4derfahrten\u201c (2002) von J\u00fcrg Frischknecht und Ursula Bauer. J\u00fcrg Frischknecht wurde bekannt, weil er 1976 zu der linksradikalen Gruppe geh\u00f6rte, die auf spektakul\u00e4re Weise in das Archiv von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ernst_Cincera\">Ernst Cincera<\/a> eindrang. Und seit seinen B\u00fcchern \u00abUnheimliche Patrioten. Politische Reaktion in der Schweiz\u00bb (1979) und \u00abRechte Seilschaften\u00bb (1998) gilt er als Gesinnungsw\u00e4chter und bestimmt den Bedrohungsgrad rechtsextremer Gefahr in der Schweiz. Seine Reise- und Wanderb\u00fccher aber sind sehr zu empfehlen, auch wenn er es mit der mittelschullehrerhaften Schw\u00e4rmerei f\u00fcr heldenhafte Partisanen und verfeinerte Polenta manchmal etwas \u00fcbertreibt.<\/p>\n<p><strong>Beinahe Krieg<\/strong><\/p>\n<p>Am Flussufer des Isorno also nahm ich den Reisef\u00fchrer des linken Autors zur Hand und las von der Geschichte der B\u00e4der. Drei Partisanen seien hier 1944 von den Nazis erschossen worden. \u201eDie Schweizer Grenztruppen durften Bewaffnete nur im Falle von Lebensgefahr ins Land lassen.\u201c heisst es vorwurfsvoll.\u00a0 Zuhause wollte ich mehr \u00fcber diese Geschichte wissen. Und entdeckte, dass der linke Gesinnungsw\u00e4chter Frischknecht den Lesern Wesentliches verschweigt, wahrscheinlich weil es nicht in sein Geschichtsbild der angeblich anpasserischen Schweiz im zweiten Weltkrieg passt.\u00a0 In Tat und Wahrheit ereignete sich an diesem Fluss n\u00e4mlich ein St\u00fcck heldenhafte Schweizergeschichte,\u00a0 welches linke Geschichtsklitterer vergessen machen wollen: Am 18. und 19. Oktober 1944 fand hier die &#8222;<a href=\"https:\/\/www.ticinarte.ch\/index.php\/id-1944battaglia.html\">Battaglia dei Bagni di Craveggia<\/a>&#8220; statt, ein &#8222;Grenzgefecht&#8220; zwischen deutsch-italienischen Faschisten und der Schweizer Armee. Mit dem erfolgreichen Vormarsch der alliierten Truppen durch Italien nach Norden bilden sich verschiedene \u201efreie Republiken\u201c, so auch die \u201eRepubblica d\u2019Ossola\u201c. Den Partisanen gelang es, die faschistischen Machthaber zu vertreiben. Die Republik d\u2019Ossola umfasste das Gebiet vom Monte-Rosa-Massiv im Westen bis nach Cannobio am Lago Maggiore im Osten. Die Republik Ossola wurde von den Tessinern unterst\u00fctzt, ging aber bald unter, als faschistische Truppen den Hauptort Domodossola zur\u00fcckeroberten. Viele Partisanen flohen.<\/p>\n<p><strong>Ein Ultimatum<\/strong><\/p>\n<p>Ungef\u00e4hr f\u00fcnfhundert Fl\u00fcchtlinge, die H\u00e4lfte Zivilisten, unter ihnen 37 Frauen und 31 Kinder, wollten sich am 18. Oktober 1944 nach einer abenteuerlichen Flucht beim Kurbad Craveggia in die Schweiz in Sicherheit bringen. Eine schwer bewaffnete, etwa 200 Mann starke faschistische Milit\u00e4reinheit mitsamt drei oder vier deutschen SS-Offizieren war den Fl\u00fcchtenden auf den Fersen. Die Truppe er\u00f6ffnete mit ihren Gesch\u00fctzen bei den B\u00e4dern das Feuer auf die Partisanen und die Zivilpersonen. Zwei Tote und viele Verletzte waren das Ergebnis des Kampfes. Die restlichen Fl\u00fcchtlinge flohen hinauf ins schweizerische Spruga. Dort war die Schweizer Armee nur schwach pr\u00e4sent. Der Kommandant der italienischen Armeeeinheit forderte deshalb die unverz\u00fcgliche Auslieferung der in die Schweiz Gefl\u00fcchteten bis zum n\u00e4chsten Morgen um sechs Uhr fr\u00fch. Sollten die Schweizer das Ultimatum nicht einhalten, w\u00fcrde er seiner Einheit den Befehl zum Angriff auf Spruga erteilen. Die Schweizer Armeef\u00fchrung handelte sofort: Drei motorisierte Gruppen einer Grenadierkompanie wurden ins entlegene Dorf verschoben und erreichten Spruga um 22 Uhr, die \u00fcbrigen Grenadiere trafen nach einem Gewaltmarsch von sechzig Kilometern in den fr\u00fchen Nachtstunden dort ein und \u00a0begannen mit dem Stellungsbau. Eine unglaubliche Leistung!<\/p>\n<p><strong>Die Nazis ziehen ab<\/strong><\/p>\n<p>Am folgenden Morgen wurde dem italienischen Kommandanten mitgeteilt, es w\u00fcrden keine Fl\u00fcchtlinge ausgeliefert und einem Angriff werde man sich mit Waffengewalt widersetzen. Nach einem Blick auf die inzwischen errichteten Schweizer Gesch\u00fctzstellungen m\u00e4ssigte der italienische Kommandant seinen bisher arroganten Ton und zog sich zur Beratung zur\u00fcck. Wenige Zeit sp\u00e4ter brach die Truppe des faschistischen Italien ihre Stellungen ab und verliess das Onsernonetal.<\/p>\n<p>Frischknecht war f\u00fcr eine Stellungnahme nicht erreichbar. Ich wage dennoch die These: Frischknecht ist diese Geschichte zweifellos bekannt. Aber sorgsam umgeht er sie in seinem Reisef\u00fchrer, weil sie nicht in sein Geschichts- und Weltbild passt. Und deshalb sollen seine Leser sie auch nicht erfahren &#8211; was nicht sein darf wird aus der Wahrnehmung und aus der Geschichtsschreibung entfernt. Diese kleine Begebenheit er\u00f6ffnet uns Einblick in das totalit\u00e4re Denken und Handeln der Linken.<\/p>\n<p>Ich lege das Buch Frischknechts beiseite, steige nach einem Bad im kalten Wasser des Isorno nochmals in die Wanne mit warmen Wasser und denke an das fast vergessene Ereignis hier am Fluss. Hier waren unbekannte Schweizer Wehrm\u00e4nner bereit gestanden, ihr Leben f\u00fcr die Freiheit zu lassen. Wir werden sie nicht vergessen.<\/p>\n<p>Hermann Lei, Frauenfeld<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"padding-bottom:20px; padding-top:10px;\" class=\"hupso-share-buttons\"><!-- Hupso Share Buttons - https:\/\/www.hupso.com\/share\/ --><a class=\"hupso_toolbar\" href=\"https:\/\/www.hupso.com\/share\/\"><img src=\"https:\/\/static.hupso.com\/share\/buttons\/lang\/de\/share-small.png\" style=\"border:0px; padding-top: 5px; float:left;\" alt=\"Share Button\"\/><\/a><script type=\"text\/javascript\">var hupso_services_t=new Array(\"Twitter\",\"Facebook\",\"Google Plus\",\"Pinterest\",\"Linkedin\",\"Digg\",\"Bebo\",\"Delicious\",\"Print\");var hupso_background_t=\"#EAF4FF\";var hupso_border_t=\"#66CCFF\";var hupso_toolbar_size_t=\"small\";var hupso_image_folder_url = \"\";var hupso_url_t=\"\";var hupso_title_t=\"14.9.12%20Der%20vergessene%20Krieg\";<\/script><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/static.hupso.com\/share\/js\/share_toolbar.js\"><\/script><!-- Hupso Share Buttons --><\/div><p>Heldenhafte Schweizer Armee \u2013 was linke Reisef\u00fchrer verschweigen In den Sommerferien erkundete ich mit meiner Familie wieder einmal das Tessin. 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